Zusammenfassung
Tokenstandards sind Regelwerke, die festlegen, wie Krypto-Tokens erstellt und verwaltet werden. Als universelle Baupläne gewährleisten sie, dass neue Tokens nahtlos mit bestehenden Anwendungen kompatibel sind.
Die Tokenstandards von Ethereum, wie ERC-20 und ERC-721, sind am weitesten verbreitet, doch auch andere Blockchain-Projekte wie Bitcoin und Solana haben ihre eigenen Standards entwickelt.
Dank der einheitlichen Standards können Anwendungen wie Wallets, Kryptobörsen oder Spiele neue Tokens einfach integrieren, ohne dafür speziellen Code zu benötigen.
Einleitung
Es gibt Zehntausende von Kryptowährungen. Umso überraschender ist es, dass die meisten von ihnen auf denselben Bauplänen basieren. Diese Tokenstandards definieren einige der wichtigsten Funktionen und Eigenschaften digitaler Tokens.
Tokenstandards geben die Funktionen und Eigenschaften vor, die ein Blockchain-Asset implementieren muss. Vergleichbar mit dem USB-Standard, der eine reibungslose Verbindung zwischen deiner Maus und dem Computer ermöglicht, garantieren Tokenstandards die sofortige Interoperabilität neuer Tokens mit Wallets, Kryptobörsen und dezentralen Anwendungen (dApps).
Warum benötigen wir Tokenstandards?
1. Interoperabilität
Der größte Vorteil von Tokenstandards liegt in ihrer Kompatibilität. Erstellt ein Entwickler einen Token, der einem bestimmten Standard entspricht, kann der Token sofort mit der bestehenden Infrastruktur interagieren. So kann beispielsweise der auf dem ERC-20-Standard basierende Stablecoin USDT unmittelbar auf Plattformen wie Uniswap, MetaMask und zentralisierten Kryptobörsen genutzt werden, ohne dass diese dafür eigenen Code schreiben müssen.
2. Kombinierbarkeit
Im DeFi-Bereich können Entwickler bestehende Komponenten wie Lego-Steine verwenden, um neue Produkte zu schaffen. Da sie die Tokenstandards genau kennen, sind sie in der Lage, komplexe Protokolle für beispielsweise die Kreditvergabe oder den Handel zu entwickeln, die automatisch jeden Token unterstützen, der einem bestimmten Standard entspricht.
3. Effizienz
Dank Tokenstandards müssen Entwickler das Rad nicht jedes Mal neu erfinden. Anstatt einen Smart Contract von Grund auf zu programmieren, um grundlegende Funktionen wie „Transfer“ oder „Guthabenabfrage“ bereitzustellen, können sie auf geprüfte Bibliotheken zurückgreifen, die auf etablierten Standards basieren. Dies reduziert das Fehlerrisiko und beschleunigt die Entwicklung.
Wichtige Tokenstandards von Ethereum
Da Ethereum die erste programmierbare Blockchain war, bilden ihre Ethereum-Requests-for-Comments (ERC)-Standards die Basis zahlreicher Projekte. Diese Standards werden auch auf EVM-kompatiblen Blockchains wie Avalanche, Polygon und Arbitrum genutzt.
ERC-20 für fungible Tokens
Der ERC-20-Tokenstandard, der 2015 vorgeschlagen wurde, ist der Branchenstandard für fungible Tokens. Fungibel bedeutet austauschbar: Eine Einheit eines Tokens hat den gleichen Wert und Nutzen wie jede andere Einheit desselben Tokens – ähnlich wie ein 10-Dollar-Schein denselben Wert hat wie jeder andere 10-Dollar-Schein und daher austauschbar ist.
Anwendungsfälle: Stablecoins (z. B. USDT und USDC), Governance-Tokens (z. B. UNI und AAVE) sowie Utility-Tokens.
Wichtige Funktionen: Nutzer können die Gesamtmenge prüfen oder Assets übertragen (z. B. über die Funktionen „Transfer“ und „TransferFrom“).
ERC-721 für nicht-fungible Tokens
Der ERC-721-Tokenstandard hat den NFT-Boom im Jahr 2021 ausgelöst. Im Gegensatz zu ERC-20 ist jeder ERC-721-Token einzigartig. Jeder Token erhält eine individuelle Token-ID im Smart Contract, die seine die Einzigartigkeit garantiert.
Anwendungsfälle: Einzigartige digitale Assets wie Zertifikate, Sammlerstücke, Kunstgegenstände, In-Game-Assets, digitale Identitäten und Eigentumsnachweise.
Wichtiger Unterschied: Während 1 ETH immer 1 ETH wert ist, besitzt jeder ERC-721-Token individuelle Eigenschaften und damit einen eigenen Wert.
ERC-1155 – der Multi-Token-Standard
Der ERC-1155-Tokenstandard wurde entwickelt, um Ineffizienzen zu beseitigen, die bei der getrennten Nutzung von ERC-20 und ERC-721 auftreten. Anwendungen, die diesen Standard implementieren, können sowohl fungible als auch nicht-fungible Tokens verwalten.
Semi-Fungibilität: Der ERC-1155 ist besonders für Games geeignet. Ein Spiel könnte zum Beispiel Goldmünzen (fungibel), 1.000 identische Eisenschwerter (semi-fungibel) und ein legendäres Schild (einzigartiger NFT) enthalten. Der ERC-1155-Standard ermöglicht es Smart Contracts, diese unterschiedlichen Tokenarten gleichzeitig zu verwalten.
Batch-Transfers: Im Gegensatz zu älteren Standards ermöglicht der ERC-1155-Standard die Übertragung verschiedener Arten von Tokens in einer einzigen Transaktion, wodurch die Gasgebühren erheblich reduziert werden.
Tokenstandards anderer Blockchains
Ethereum hat den Weg vorgegeben, aber andere große Blockchains haben eigene Standards für ihre spezifische Architektur entwickelt.
BNB Smart Chain: BEP-20
BEP-20 ist der primäre Tokenstandard der BNB Smart Chain (BSC). Er funktioniert nahezu identisch wie der ERC-20-Standard von Ethereum, ist jedoch für die Geschwindigkeit und niedrigen Gebühren der BSC optimiert. Er unterstützt außerdem „Peg“-Tokens, also gewrappte Versionen von Assets anderer Blockchains (wie Bitcoin oder Ethereum), die im BNB Chain-Ökosystem verfügbar gemacht werden.
Solana: SPL (Solana Program Library)
Solana geht beim Umgang mit Tokens anders vor als EVM-Blockchains. Während auf Ethereum jeder Token als individueller Smart Contract existiert, nutzt Solana ein zentrales Token-Programm (den SPL-Standard). Neue Tokens werden lediglich als neue Konten innerhalb dieses bestehenden Programms angelegt. Diese Architektur ermöglicht Solana eine parallele Verarbeitung von Transaktionen mit hoher Geschwindigkeit.
Der SPL-Standard deckt sowohl fungible Tokens (wie USDC auf Solana) als auch NFTs ab, ohne dass separate Standards wie ERC-20 oder ERC-721 erforderlich sind.
Bitcoin: BRC-20 und Runes
Lange Zeit wurde Bitcoin ausschließlich als Währung und nicht als Plattform für Tokens betrachtet. Dies änderte sich 2023 mit der Einführung von Ordinals.
BRC-20: Ein experimenteller Standard, der es ermöglicht, fungible Tokens direkt auf der Bitcoin-Blockchain zu erstellen, und zwar durch sogenannte Inscriptions. Im Gegensatz zu Smart-Contract-basierten Tokens nutzen BRC-20-Tokens die Bitcoin-Blockchain als Datenbank, um Transaktionen aufzuzeichnen.
Runes: Ein effizienteres Protokoll zur Ausgabe fungibler Tokens auf Bitcoin. Runes zeichnet sich durch einen geringeren On-Chain-Speicherbedarf im Vergleich zum BRC-20-Standard aus.
Cross-Chain-Kompatibilität
Eine wesentliche Einschränkung von Tokenstandards liegt darin, dass sie in der Regel auf ihre eigene Blockchain beschränkt sind. Ein ERC-20-Token auf Ethereum kann beispielsweise nicht nativ auf Solana existieren.
Wrapped Tokens
Dieses Problem wurde häufig durch Wrapping gelöst. Um Bitcoin auf Ethereum verfügbar zu machen, wird BTC in einem Vault gesperrt und eine äquivalente Menge an „Wrapped BTC“ (WBTC) im ERC-20-Standard auf Ethereum erstellt. Während diese Methode effektiv ist, sind Blockchain-Brücken, die BTC halten, häufig Ziel von Hackerangriffen.
Omnichain Fungible Tokens (OFTs)
Einige Interoperabilitätsprotokolle (z. B. LayerZero oder Chainlink CCIP) gehen einen Schritt weiter. Anstatt zentralisierte Vaults zu nutzen, ermöglichen diese Protokolle Omnichain-Tokens, die nativ zwischen Blockchains über sichere Nachrichtensysteme übertragen werden können.
Fazit
Tokenstandards sind das unsichtbare Fundament der Krypto-Ökonomie. Ob für die Erstellung und Verwaltung von ERC-20-Tokens in deiner Wallet, BRC-20-Tokens auf der Bitcoin-Blockchain oder SPL-Tokens auf Solana – diese Regelwerke sorgen für ein einheitliches, effizientes und kompatibles Ökosystem.
In den letzten Jahren haben wir einen Wandel von einfachen Standards hin zu komplexeren, hybriden Lösungen wie ERC-404 und Omnichain-Protokollen erlebt, die ein stärker vernetztes Web3 ermöglichen.
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